Geistliche Impulse

Auslegung zur ökumenischen Tageslese am 9..03.2010

 

Johannes 13, 1-11

 

Unser heutigen Text ist wie ein Tor zur Passionsgeschichte des Evangelisten Johannes.
Wir erinnern:
Am Anfang des Johannesevangeliums,im uns bekannten Prolog- er ist wie ein Inhaltsverzeichnis für das ganzen Evangelium -, hören wir vom Wort, das bei Gott ist.
Auf seinem Weg in die Welt wird das Wort zum Licht und dann wird es zum Leben für die ganze Welt.
Aber erst in Beziehung, in der Begegnung, in der Einwohnung, da, wo es gesehen, gehört, geschmeckt, gespürt und angenommen wird, da wird das Wort Fleisch.
Und davon handelt das ganze Evangelium.

Es entfaltet in drei Ringen, was Menschen in der Begegnung mit dem fleischgewordenen Wort geschieht.
Der Evangelist sagt das nicht in Lehrsätzen wie z.B. der Apostel Paulus, sondern in Begegnungen, in Wandlungsgeschichten in den Kapiteln 2-12.

Aber zunehmend macht sich Widerstand breit,
"Er war in der Welt, aber die Welt erkannte ihn nicht. Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen nahmen ihn nicht auf." Im ganzen Evangelium spürt man den Schmerz des Evangelisten, dass "die Seinen", gemeint sind da noch die Juden, Schriftgelehrten und Pharisäer, sein Volk, den nicht aufnahmen, der als der "König Israels" auch der "Erlöser der Welt" ist.
Unerbittlich läuft die Geschichte nun auf die Passion zu,
die der Evangelist Johannes durchgängig "die Stunde" nennt, im dritten Teil, in den Kapiteln 13-21.

Jesus zieht sich jetzt mit "den Seinen" zurück.
"Die Seinen" sind nun der kleine Kreis von Freunden und GefährtInnen, der Urkern der zukünftigen Kirche.
So wird die Fußwaschung zum Testament für die kleine Gruppe derer, die bleiben – für uns, die Bleibenden.
Und darin bringt Jesus sein Leben auf den Punkt, im alltäglichen Sklavendienst, im "Äußerstes", in der Lebenshingabe für uns, uns zugut, ein Bild für Gottes Art: seine Hoheit und Herrlichkeit, seine Macht, seine Art, uns zu dienen, damit wir erhöht werden zu neuer Würde.

Und uns bleibt im Bleiben: Es an uns geschehen zu lassen, mehr noch:
Ihn an uns geschehen lassen.
Jetzt ist seine Stunde gekommen.

 

Sr. Ruth Meili CCR