Geistliche Impulse

Auslegung zur fortlaufenden ökumenischen Bibellese


1. Korinther 9, 1-18

 

Im  heutigen Text wird deutlich, dass eine Gruppe in Korinth die apostolische Autorität des Paulus in Frage stellt, weil er auf jegliche Zuwendungen durch die Gemeinde verzichtet.

Paulus antwortet darauf:

Erstens „habe ich den Herrn gesehen", was mein Apostelamt begründet;

zweitens erinnere ich euch daran, dass die Existenz eurer Gemeinde auf mein Wirken zurück geht;

drittens hätte ich natürlich als Missionar ein Recht auf Unterhalt durch die Gemeinden, auch meine Frau - wenn ich denn eine hätte.

viertens: Obwohl vollzeitlich im Verkündigungsdienst - erarbeite ich mir meinen Unterhalt auf den Missionsreisen weitgehend selber als Teppichweber und Zeltmacher, mein Gefährte Barnabas ebenfalls, im Unterschied zu den Brüdern Jesu und den anderen Aposteln.

Nur wenn der Ertrag meiner Handwerksarbeit nicht ausreicht, dürfen mich die Brüder aus Mazedonien unterstützen, z.B. die Philipper.

In sechs Punkten begründet Paulus, warum er auf Gehalt, Zuwendungen (Kursgebühren, Honorare u.a.) verzichtet:

Es gehört sich, dass diejenigen, für die ich arbeite, mich auch entlohnen, aber ich bin nicht verpflichtet, diesen Lohn anzunehmen.

Durch den Lohnverzicht kommt Freiwilligkeit und Freiheit in meinen Dienst. Das will ich mir durch nichts und niemand nehmen lassen. Das ist eine wirksame Kraft. Und ich merke, wie tief das Vertrauen in Christus wurzelt.

Darin sehe ich den Lohn und nicht im Materiellen.

Und ich will nicht den geringsten Anstoß, kein Ärgernis am Evangelium geben, um ganz frei zu sein vom Verdacht der Eigennützigkeit.

Meinen Mitstreitern und aktuell der recht schwierigen Gemeinde in Korinth will ich mit meinem Verständnis ein Beispiel selbstlosen Dienstes um der Liebe Christi willen geben.

Lohnverzicht ist für mich auch eine Waffe im Abwehrkampf gegen die „Superapostel" in Korinth, die wie Wühlmäuse meine dreijährige Gründerarbeit überbieten wollen durch eine vollere Botschaft und einen besseren Christus.

 

Paulus ist es wichtig, dass der Ruf Gottes, das Evangelium, dem er leidenschaftlich dient, durch nichts und niemand verdunkelt wird.

 

Sr. Ruth Meili CCR, 01. Februar 2012