Der Hauptstrom in der evangelischen Kirche sieht in der Gemeinde die einzige Gemeinschaftsform christlichen Glaubens. So werden Familie und Beruf der Raum, in dem Glaube und christliche Werte ausgedrückt, gelebt werden. In den Gemeinden entwickelt sich eine solide Volksfrömmigkeit, die unter anderem getragen wird von den Kirchenliedern. Daneben gibt es jedoch auch immer wieder viele Versuche, geistliche Gemeinschaften zu gründen und „bruderschaftlich“ zu leben.

Im Rahmen des lutherischen Pietismus hat Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf (1700-1760) eine bleibende Wirkung. Er gründet nach einer Erweckung 1727 die Erneuerte Brüder Unität in Herrnhut. Die hiervon ausgehenden Brüdergemeinden wirken nachhaltig in der evangelischen Kirche – national und international. Das 19. Jahrhundert ist der Anfang der inneren Mission. Die großen sozialen Probleme führen zur Gründung von Diakonengemeinschaften und Diakonissenhäusern. Um 1900 kommt dann auch Bewegung in die Theologie, die einen objektiveren Zugang zum Mönchtum gewinnt. Neue Gemeinschaften bilden sich, es entstehen die Bruderhöfe und aus der Berneuchner Bewegung die Michaelsbruderschaft.