Die evangelische Gemeinschaft Communität Casteller Ring richtet ihr geistliches und gemeinschaftliches Leben nach der Weisheit der Benediktsregel aus und schafft darin heilsame Rahmenbedingungen für kommunitäres Leben im 21. Jahrhundert.

Benedikt von Nursia schuf dafür vor 1400 Jahren die Strukturen in der Wirklichkeit eines verbindlichen Gemeinschaftslebens. Dabei gab er den Verantwortlichen in den Leitungsämtern des Klosters, Abt, Priorin, Cellerar oder Cellerarin, durchgängig biblische Vorbilder. Im Abtskapitel der Regula Benedicti (RB 2) malt er sorgfältig das biblisch fundierte Leitbild mit charakteristischen Qualitäten für Führungsaufgaben. In den archetypischen Bildern von Arzt, Vater, Hirte und Meister beschreibt er die Verantwortlichen mit Wesenszügen von Jesus Christus, der aus Gottes Barmherzigkeit lebt. Dem einzelnen Menschen, so wie er ist, kostbar in Gottes Augen, gebührt die Aufmerksamkeit von Abt und Priorin, denn kostbar ist jedes Mitglied der Gemeinschaft in Gottes Augen. Der Rahmen der Benediktsregel zielt auf das Ganze ab und schützt den Raum der Integration in ein größeres Wir.

In der inneren Haltung der hohen Wertschätzung von Gottes Wort in der Heiligen Schrift folgen die Schwestern der Communität achtungsvoll den jüdischen Geschwistern in ihrem Umgang mit der Thora, Gottes Weisung für den Lebensweg.

In den Schriften des Ersten Testamentes werden Schwache, Arme, Witwen und Waisen mit Rechten ausgestattet und anerkannt. Sie repräsentieren einen Teil des Gottesvolkes, denn sie gehören dazu, ihr Wesen gehört zum Menschsein des ganzen Volkes.

In der Nachfolge Jesu Christi üben die Schwestern der Communität sich ein, täglich in der Schule des Herrn aus seinem Wort und liebenden Blick zu handeln. Jesus sah die Menschen an und gewann sie lieb. Er erkannte sie in beziehungsgerechter Sorge, war achtsam und zugewandt in Haltung und Sprache.

Wie Handwerker im Kloster ihr Handwerkszeug wie heiliges Altargerät behandeln sollen, so können heute Verantwortliche lernen, mit den ihnen anvertrauten Menschen wie mit ‚heiligen Gotteskindern’ umzugehen. Für das Klassensystem und Autoritätsverständnis des 6. Jhdts. waren diese Führungswerte erstaunlich personenzentriert. Die Spur der Nachfolge Jesu liegt in der Einfachheit: Es gilt die tägliche Übung, einfach und bescheiden mit Gott einherzugehen und darin die auf Zeit anvertraute Herde zu schützen und zu leiten. Gottsuche und Menschwerdung, persönliches und gemeinschaftliches Wachstum ziehen heute viele Menschen in ihrer jeweiligen Lebensform an, weil sie wohl ahnen, dass eine tiefe integrative Lebenskraft im Glauben erfahrbar und frei wird.

Die Spiritualität des strukturierten Gemeinschaftslebens vertraut auf die Fähigkeit zu lernen. „Wir wollen also eine Schule des Herrn gründen“ (RB, Prolog), kündet der Meister der Regel an.

Die Werte, die Benedikt vermittelte, waren und sind lebensfördernd und am Heil orientiert.

Benediktinische Spiritualität schöpft aus den Quellen der Heiligen Schrift und erhält dadurch die Ressourcen in lebendigem Fluss. Gäste und Mitlebende in Klöstern orientieren sich an der  Authentizität der Ordensleute. Durch persönliche Begegnungen und in der einfachen Umsetzbarkeit in Alltagserfahrung behält oder verliert kommunitäres Leben seine Glaubwürdigkeit.

Spiritualität ist nur leiblich erfahrbar, ist sinnlich und geisterfüllt. Die Gestaltwerdung des inneren Menschen ist eingebunden in unser biologisches und psychosoziales Menschsein. Dazu macht Paulus im 2. Korintherbrief seinen Gemeindemitgliedern im multikulturellen Kontext, in den Bedrohungen und Gefährdungen ihrer Zeit Mut: „Darum werden wir nicht müde; sondern wenn auch unserer äußerer Mensch verfällt, so wird doch der innere von Tag zu Tag erneuert.“ (2. Kor 4,16)

Kommunitär lebende Frauen und Männer wollen gute und sichere Räume anbieten, in denen christlicher Glaube gestaltet, gefeiert, geschützt und erfahrbar wird. Denn das Wort Gottes will sich einwohnen, Leib werden, Mensch werden – dafür wollen  geistliche Gemeinschaften durch ihr verbindliches gemeinsames Leben  Räume und Zeiten freihalten für Gott und die Menschen.