Christliche Meditation

Acht Erkennungszeichen für die Übung der Meditation als Vertiefung des christlichen Glaubens

In jeder Kultur und jeder Religion wird meditiert. Wenn Christen ihren Glauben durch gemeinsame Übung der Meditation und Kontemplation vertiefen wollen, werden sie aus den Traditionen des Christentums schöpfen.

1. Der Rahmen

Der Raum richtet durch seine klare Gestaltung die Übenden auf die unsichtbare Gegenwart Gottes aus. Bilder und Symbole sprechen vom Geheimnis des christlichen Glaubens und sind zugleich offen für die eigene Deutung.

2. Gemeinsam in Gottes Gegenwart

Die Meditationsübung wird in das Licht und den Schutz Gottes gestellt. Dies wird zu Beginn und zum Abschluss in Wort oder Gebet und Segen deutlich gemacht.

3. Im Schweigen über sich hinaushören

In den Übungen wird dem Schweigen Raum gegeben. Es werden Wege aufgezeigt, sich von den eigenen Vorstellungen, Vorwürfen und Ansprüchen zu lösen und sich im Schweigen dem Wort und der Weisung Gottes zu öffnen.

4. Kontinuierliche Übung als positiv entdecken

Geistliche Übung ruft in Disziplin: das normale Getriebe muss verlassen, Raum und Zeit müssen bereitet und geschützt werden, hilfreiche Körperhaltung und die Übung der Aufmerksamkeit benötigen inneres Einwilligen. Im treuen Wiederholen und Weiterüben vertiefen sich Erfahrung und Einsicht.

5. Erfahrung der Geschöpflichkeit

Die Aufmerksamkeit auf den Atem lässt die Lebensenergie als Gabe Gottes erkennen. Im Vollzug verschiedener Körperübungen wird das Wunder der eigenen Geschöpflichkeit und die Verbindung mit allen Geschöpfen Gottes beglückend und verpflichtend erfahren.

6. Lebensorientierung finden

Die Übenden suchen nach Deutung ihrer Lebenssituation und nach Lebensorientierung. Im betroffenen Hören auf die Botschaft des Evangeliums im Lauf des Kirchenjahres können sich die Zumutungen des Lebens klären. So wachsen auch Engagement und Verantwortung in den Aufgaben des Alltags.

7. Feier des Geheimnisses des Glaubens

In der Feier des Abendmahles wird die Gegenwart Jesu Christi in Brot und Wein sinnenhaft erfahren. In Taufgedächnis und Agape, bei Segens- und Salbungsgottesdiensten stärkt sich das heilsame Wissen „So seid ihr nun nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Gottes Hausgenossen.“ Eph 2,19.

8. In Bewegung bleiben

„Das Leben ist nicht ein Frommsein, sondern ein Frommwerden, nicht eine Gesundheit, sondern ein Gesundwerden, nicht ein Sein, sondern ein Werden, nicht eine Ruhe, sondern eine Übung. Wir sind’s noch nicht, wir werden’s aber. Es ist noch nicht getan oder geschehen, es ist aber im Gang und im Schwang. Es ist nicht das Ende, es ist aber der Weg. Es glüht und glänzt noch nicht alles, es reinigt sich aber alles.“ (Martin Luther)

Sr. Edith Therese Krug CCR und Irene Dilling