Kloster

Licht von Licht

An Ostern, unserem zentralen christlichen Fest, brennt an vielen Orten in der Nacht oder am frühen Morgen, wenn es noch dunkel ist, ein Osterfeuer.

Alle Profess-Schwestern bilden den Schwesternrat, unser Beratungs- und Entscheidungsgremium. Hier wird die Priorin in ihr Leitungsamt auf Zeit gewählt. Weitere Schwestern werden in Leitungsaufgaben gewählt oder von der Priorin berufen. Gegenseitige Information und die Suche nach Konsens schaffen das nötige Klima des Vertrauens.

Aus dem Leitbild der Communität Casteller Ring

 

Als Noviziat bezeichnen wir die Zeit, in der sich junge Schwestern noch nicht auf Lebenszeit an die Gemeinschaft gebunden haben.

Stufen des Hineinwachsens

Der Prozess des Hineinwachsens in die Communität Casteller Ring umfasst mindestens fünf Jahre und vollzieht sich in den Stufen Postulat – Noviziat – Bindung auf Zeit – Profess (Bindung auf Lebenszeit).

Es ist bezeichnend, dass Benedikt der Klosterpforte oder besser gesagt dem Pförtner des Klosters in seinem Regelbüchlein ein eigenes Kapitel widmet, denn jedes Amt ist gleichsam ein Exempel für das Leben aller Brüder und Schwestern. Daher geht es im Kapitel über den Pförtner des Klosters letztlich auch um die Frage nach dem Kloster und um die Pforte „in mir“, also um mein eigenes geistliches Leben und um meine persönliche Gottesbeziehung. Bin ich eine gute Pförtnerin, ein guter Pförtner im Sinne Benedikts?

In wenigen Worten skizziert Benedikt in seiner Regel das Bild des Pförtners als eines „weisen älteren Bruders, der Bescheid zu empfangen und zu geben weiß und den seine Reife daran hindert, sich herumzutreiben“. (RB 66,1ff) Sein Wesen soll von der Sanftmut eines Gottesfürchtigen und vom Eifer der Liebe geprägt sein. Seine Zelle soll er unmittelbar neben der Pforte haben, damit er, sobald jemand anklopft, den Ankommenden im Namen Gottes empfangen kann.

Die Klosterpforte bildet den Grenzbereich zwischen Kloster und Welt – Innen und Außen. Sie schützt den Bereich, in dem die Gottesbeziehung jedes Einzelnen Raum und Entfaltung finden soll. Der Pförtner hat die wichtige Aufgabe, zu entscheiden, wem und zu welchen Zeiten er Eingang in diesen innersten Bereich gewährt und wer oder was draußen bleiben muss. Im Kapitel über den Pförtner des Klosters betont Benedikt, dass nach Möglichkeit alles Notwendige, was die Brüder zum Leben und Arbeiten brauchen, innerhalb des Klosters vorhanden sein soll, damit niemand gezwungen ist, draußen in der Welt „herumzulaufen“.

Zu Zeiten Benedikts mögen es viele Bedürftige, Pilger oder Suchende gewesen sein, die an die Klosterpforte klopften, um Einlass oder Hilfe zu erbitten. Heute, im digitalen Zeitalter, gibt so vieles, was an multimedialen Informationen und Möglichkeiten täglich an meine innere Pforte klopft, um Einlass zu erhaltenden und mich dazu verleitet, mich „draußen herumzutreiben“ statt „im Kloster“, d.h. bei mir selbst und in der Ausrichtung auf Gott hin zu bleiben.

Da braucht es, ob im Kloster oder in anderen Lebensbezügen, einen weisen Pförtner oder eine weise Pförtnerin, die präsent ist und zu entscheiden vermag, was gerade dran ist, und reif genug ist, auch mal „nein“ zu sagen, um das Wesentliche nicht aus dem Blick zu verlieren.

Sr. Anke Sophia Schmidt CCR

Das Hereinwachsen in unsere klösterliche Gemeinschaft geschieht in den Stufen Postulat – Noviziat – zeitliche Bindung – Profess.

Frauen, die sich für unsere Gemeinschaft interessieren, laden wir ein, eine längere Zeit im Südflügel mit zu leben, um ihrer Suche Raum zu geben und ihre Motivation zu prüfen.

Wir freuen uns, wenn sich Frauen für eine kürzere oder längere Zeit auf unseren Lebensrhythmus einlassen und ein Stück ihres eigenen Weges mit uns gehen.

Wir bieten ein Mitleben im Südflügel des Schlosses an: Leben in einer Gemeinschaft von bis zu 9 Frauen, Mitarbeit in Spülküche, Küche und Außenbereichen.
Sie können in dieser Zeit an allen unseren Gebteszeiten und Gottesdiensten Teil nehmen und sich so auf den Rhythmus unseres Lebens einlassen.

Damit Gott in allem verherrlicht werde...

Regula Benedicti Kapitel 57, Vers 9

Benedikt wurde um 480 n. Chr. als Sohn einer freien und wohlhabenden Familie geboren und als junger Mann zum Studium nach Rom geschickt. Er brach sein Studium jedoch ab und lebte drei Jahre lang als Einsiedler in einer Höhle bei Subiaco. Diese Zeit der Einsamkeit ließ ihn als Mensch innerlich reifen.

Doch Benedikt blieb nicht für immer in der Abge­schie­denheit, sondern sah seine Verantwortung darin, Menschen Halt und Orientierung zu geben. Mit seiner Ordensregel verfasste er eine Wegweisung, an der sich benediktinische Klosterge­mein­schaften weltweit bis heute orientieren. Der Grund hierfür liegt wohl an der mensch­lich­en und geistlichen Größe Bene­dikts, der in allen Bereichen des Lebens stets um das rechte Maß bemüht war und für seine Mönche einen ausge­wo­­genen Lebensstil an­strebte, der die einzelnen weder unter- noch über­for­derte. Am bekanntesten ist die Zu­sam­men­fassung seiner Mönchsregel in den Worten „ora et labora - bete und arbeite“, was den Kern seiner Weisung trifft. Es ist Benedikt wichtig, dass die Mönche zu gewissen Zeiten frei sind für die Gottesdienst und geistliche Lesung, um daraus Nahrung für den inneren Menschen zu finden. Doch er betont ebenso den Wert körper­licher Arbeit, denn, „sie sind nur dann wirklich Mönche, wenn sie von ihrer Hände Arbeit leben.“ Arbeit und Gebet sollen nach Benedikt eine Einheit bilden, damit „Gott in allem verherrlicht werde". Alles, was ich tue, vollzieht sich, wenn es in der rechten Haltung übe, in Gottes Gegenwart und kann somit zum Gottesdienst werden, ob ich gerade Geschirr abtrockne oder ein Fahrrad repariere, ob ich im Gespräch mit einem Menschen bin oder gerade einen Bibeltext lese. Mein Leben, mein Alltag, jeder Augenblick, wie er gerade ist, so lehrt uns Benedikt, kann zum Gottesdienst, zum Ort der Gegenwart Gottes werden!

Sr. Anke Sophia Schmidt CCR

Höre, mein Sohn, auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat! 

Regula Benedicti Prolog 1

Es ist durchaus programmatisch zu verstehen, dass Benedikt seine Regel mit dem Wort „höre“ beginnt.

Denn das Hören ist das eigentlich Wesentliche, worum es im geistlichen Leben im Sinne Benedikts geht. „Höre mein Sohn auf die Weisung des Meisters, neige das Ohr deines Herzens, nimm den Zuspruch des gütigen Vaters willig an und erfülle ihn durch die Tat!“ Dieser erste Satz aus dem Prolog der Regel macht deutlich, was es in der „Schule für den Dienst des Herrn“, wie Benedikt das Kloster bezeichnet, vor allem zu lernen gilt. Es geht um das HÖREN, um das HÖREN auf den Meister, also auf Christus, und letztlich in allem um den GEHORSAM gegenüber Gott. Das lateinische Verb „ausculto“, das Benedikt hier verwendet, meint nämlich nicht allein ein akustisches Hören, sondern vielmehr ein aufmerksames Lauschen und eben letztlich ein Gehorchen. Daher gebraucht Benedikt hier auch das Bild vom hörenden Herzen. Das Herz steht im biblischen Sinne nicht für den Sitz der Gefühle, sondern für den ganzen Menschen in seinem Denken, Wollen und Verstehen. Mit dem hörenden Herzen meint Benedikt daher die Haltung eines Menschen, dessen ganzes Leben auf Gott hin ausgerichtet ist und der wachsam ist für Gottes Ruf in seinem Leben. In diesem Sinne ist benediktinisches Leben vor allem eine Hörschule, in der es darum geht, in allen Lebensbezügen präsent und offen zu sein, um  Gottes Stimme zu vernehmen. Denn wo und wie Gott in meinem Leben zu mir spricht, kann ich nicht erahnen. Und noch eines ist wichtig: Hören im Sinne Benedikts ist kein Selbstzweck, sondern setzt im Menschen einen inneren Prozess in Gang, der in ihm arbeitet, ihn innerlich verwandelt und  zum bewussten Handeln führt.

Höre - nimm an – erfülle: Dieser Dreischritt ist die tägliche Übung, in die wir in unserm Leben gestellt sind. Sie fordert uns immer wieder neu heraus, Gott in allen Dingen zu suchen und überall mit ihm zu rechnen.

Sr. Anke Sophia Schmidt CCR

Alle Fremden, die kommen, sollen aufgenommen werden wie Christus; denn er wird sagen: „Ich war fremd, und ihr habt mich aufgenommen.“
Allen erweise man die angemessene Ehre, besonders den Brüdern im Glauben und den Pilgern.

Regula Benedicti 53,1-2

Orte und Räume der Gastfreundschaft anzubieten, das war die Antwort der Mönche auf die Wirren der Völkerwanderung in der ausgehenden Spätantike.

Oblaten 2005 Oblaten und Oblatinnen sind Frauen und Männer, die mitten in der Welt und ihrem Alltag leben und arbeiten.

Schon im Namen (von lat. oblatus, „hingegeben“, „dargebracht“) verbirgt sich die Sendung der Oblatinnen und Oblaten: Suchen, hören, antworten – mit dem ganzen Leben, so wie es ist, und immer und überall Gott achtsam auf der Spur bleiben.

Nachdem unsere Communität nun schon über 60 Jahre „alt“ ist, gibt es natürlich auch eine große Gruppe älterer Schwestern. Es ist schön, dass sie sich je nach Maßgabe ihrer Kräfte – auch noch für so manchen nötigen Dienst in der Gemeinschaft einbringen können. Und wenn dann Krankheiten kommen, so gilt unser Versprechen, in der Gemeinschaft zu bleiben in guten und in schweren Tagen. So haben wir nun in unserem Haus auch behindertengerechte Zellen, nehmen auch Dienste der Sozialstation in Anspruch und versuchen in allem, bestmöglich für unsere kranken Schwestern zu sorgen.

Wir leben von unserer Hände Arbeit. Alle Schwestern sind bis zu ihrem Renteneintritt berufstätig, also auch kranken-, sozial- und arbeitslosenversichert.
Entweder arbeiten wir im Geistlichen Zentrum Schwanberg oder in beruflichen Einsätzen möglichst in der Nähe des Schwanbergs. Z.B. erteilt eine von uns Schwestern z.Zt. Religionsunterricht an verschiedenen Schulen.

Die Klausur ist der geschützte Raum, in dem wir Schwestern unser Leben gemeinsam gestalten. Zu diesem Raum haben normalerweise andere Personen keinen Zutritt. Ausnahmen sind natürlich die Menschen, die uns in bestimmten Lebenssituationen unterstützen. Dazu gehören die Handwerker, unsere Ärzte, die Schwestern der Sozialstation sowie Mitarbeitende, die wir mittlerweile in verschiedenen Bereichen benötigen.

Alltag hinter Klostermauern - wie soll man sich das vorstellen? 

Einerseits wird er dem Ihrigen ähnlichen sein – und dann wieder auch nicht.

Ein Alltag, der von 35 Frauen in drei Generationen zu bewältigen ist – das hat durchaus Anklänge an eine große Familie oder eine große Wohngemeinschaft. Aber es gibt auch Unterschiede...

Die evangelische Gemeinschaft Communität Casteller Ring richtet ihr geistliches und gemeinschaftliches Leben nach der Weisheit der Benediktsregel aus und schafft darin heilsame Rahmenbedingungen für kommunitäres Leben im 21. Jahrhundert.

Glaube im kommunitären Alltag, ist er anders als bei anderen Menschen?

Sind kommunitär lebende Christen ein wenig heiliger, realitätsfremder, abgehobener?

Ich meine nein, der Unterschied liegt mehr in den Rahmenbedingungen, die wir uns in Anlehnung an die Regel des heiligen Benedikt gegeben haben.

Benedikt kam um 480 im umbrischen Nursia (heute Norcia) zur Welt. Seine Familie gehörte zur Oberschicht der kleinen Stadt.

Unsere Gründerin

Die Gründerin unserer Communität, Christel Schmid (1892-1970), stammt aus Mittelfranken, einer mehrheitlich evangelisch geprägtem Region in Bayern. Ihre Ausbildung als Erzieherin führt sie zu den Diakonissen nach Neuendettelsau. Die Lebensgemeinschaft mit der völligen Hingabe an Jesus Christus berührt sie tief. In der evangelischen Jugendarbeit lernt sie die Jugendbewegung und die christlichen Pfadfinder kennen.

Der Hauptstrom in der evangelischen Kirche sieht in der Gemeinde die einzige Gemeinschaftsform christlichen Glaubens. So werden Familie und Beruf der Raum, in dem Glaube und christliche Werte ausgedrückt, gelebt werden. In den Gemeinden entwickelt sich eine solide Volksfrömmigkeit, die unter anderem getragen wird von den Kirchenliedern. Daneben gibt es jedoch auch immer wieder viele Versuche, geistliche Gemeinschaften zu gründen und „bruderschaftlich“ zu leben.

Luther war Mönch von 1505 bis 1524. Diese 19 Jahre haben ihn für sein weiteres Leben geprägt.

Die Form der klösterlichen Nachfolge hat ihm die Erkenntnis im Glauben ermöglicht, die ihn zum großen Reformator der Kirche gemacht hat - auch wenn er sich später davon distanziert hat und geheiratet hat.

Das Klosterleben war 19 Jahre lang der sichere Rahmen für geistliche Übung und Lebensgestaltung mit dem dreieinen Gott der Bibel.

Sicher war es damals an der Zeit für einen Neuaufbruch - ein wichtiger Ausgangspunkt war das klösterlich-spirituelle Leben Martin Luthers.

Es scheint, dass Klöster eine rein katholische Sache sind.

Dieser Schein trügt: auch im evangelischen Raum gibt es zahlreiche Klostergemeinschaften.

Viele davon sind in den 50er Jahren im Zusammenhang mit der liturgischen Erneuerungsbewegung in der evangelischen Kirche entstanden.

Im Gegensatz zu unseren katholischen Geschwistern, die oft auf eine jahrhundertelange Geschichte ihres Ordens zurück blicken können, sind wir also recht "jung".